Wartezeitzulassung

Die Studienplätze in den Studiengängen Human- und Zahnmedizin, Pharmazie und Tiermedizin werden in drei verschiedenen Quoten vergeben: an die Abiturbesten, im Auswahlverfahren der Hochschulen und über die Wartezeit. In den ersten beiden Quoten hat die Abiturnote den größten Einfluss auf die Zulassung. In der Wartezeitquote werden die seit Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung (z. B. Abitur) vergangenen Semester, in denen nicht im Inland studiert wurde, gezählt.

In dieser Quote werden etwa 20 % aller Studienplätze der Hochschulen, in einem Wintersemester insgesamt knapp 2000 Studienplätze, an die Bewerber mit der größten Anzahl von Wartsemestern vergeben. In dieser Quote findet kein Nachrückverfahren statt. Nicht angenommene Studienplätze werden im zeitlich nachfolgenden Auswahlverfahren der Hochschulen vergeben. Dort spielt wieder die Abiturnote die größte Rolle.

Die Zulassung in der Wartezeitquote erfolgt in zwei Schritten. Zuerst wird ermittelt, ob die erreichte Wartezeit für eine Zulassung ausreicht. Sind nicht mehr genügend Studienplätze für Bewerber mit einer bestimmten Anzahl von Wartesemestern vorhanden, wird innerhalb dieser Gruppe nach Abiturnote zugelassen. So konnten im Wintersemester 2016/17 im Studiengang Humanmedizin nicht mehr alle Bewerber eine Zulassung erhalten, die 14 Wartesemester erreicht hatten. Studienplätze konnten nur noch an diejenigen verteilt werden, die eine Abiturnote von 2,9 oder besser vorweisen konnten.

Im zweiten Schritt wird entschieden, wer an einem bestimmten Hochschulort zugelassen werden kann. Wenn sich von den nach Wartezeit ausgewählten Bewerbern mehr für einen Studienort entschieden haben, als dort Studienplätze verfügbar sind, entscheiden die Ortspräferenz, die soziale Bindung an den Studienort und die Abiturnote darüber, wer am Wunschort einen Studienplatz erhält. Da die deutlich überwiegende Mehrheit aller Studienbewerber möglichst an der nächstgelegenen Hochschule studieren möchte, gibt es vor allem in den Ballungsgebieten Probleme alle Studienwünsche zu erfüllen. Gibt ein Bewerber nur eine Hochschule an, für die sich viele Bewerber melden, kommt es vor, dass der Bewerber zwar in der Wartezeitquote ausgewählt wird, aber dennoch keine Zulassung für die eine gewünschte Hochschule erhält.

Um eine solche Enttäuschung zu vermeiden, sollten Sie sich im Vorfeld der Bewerbung genau informieren und von uns beraten lassen, wie sicher Ihre Zulassung am gewünschten Hochschulort ist. Im Rahmen unserer Wartezeitberatung prognostizieren wir, ob Sie in der Wartezeitquote ausgewählt werden und ob Sie an Ihren Wunschhochschulen eine Zulassung erhalten können. Dazu prüfen wir die bei der Zulassung maßgeblichen Kriterien soziale Bindung und Abiturnote. Wir finden für Sie auch alternative Hochschulen, an denen mit einer Zulassung zu rechnen ist.

Zum Wintersemester 2018/19 wird das Vergabeverfahren in dieser Quote geändert: Es zählen nicht mehr die Semester, die seit Erwerb des Abiturs vergangen sind, sondern die Zahl der Bewerbungssemester. Bei einer Bewerbung z. B. für den Studiengang Humanmedizin wird daher nur gezählt, wie oft man sich bei Hochschulstart schon für diesen Studiengang beworben hat. Da pro Semester nur eine Bewerbung für einen Studiengang möglich ist, kann beispielsweise mit einer Humanmedizin-Bewerbung kein Bewerbungssemester für einen anderen Studiengang, z. B. Zahnmedizin, gesammelt werden.

Diese Neuregelung kann wegen des Vertrauensschutzes in die bisherige Regelung nur mit einer Übergangsregelung eingeführt werden: Bei einer Bewerbung innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Neuregelung, also im Wintersemester 2018/19, Sommersemester 2019, Wintersemester 2019/20 und Sommersemester 2020, werden die seit 2008 gesammelten Wartesemester als Bewerbungssemester auf den Studiengang angerechnet, für den die Bewerbung erfolgt.

Hintergrund der Neuregelung sind die beim Bundesverfassungsgericht anhängigen Verfahren wegen der Verfassungswidrigkeit der überlangen Wartezeit. Ob die Neuregelung tatsächlich zur angestrebten Verringerung der Wartezeit bis zur Zulassung führt, bleibt abzuwarten.

Kontakt

Wenn Sie sich für eine Beratung durch einen Rechtsanwalt zum Thema Wartezeitzulassung interessieren, rufen Sie uns unverbindlich auf unserer Infoline 0800/8181555 an. Sie können uns selbstverständlich aber auch per E-Mail bzw. über unser Kontaktformular erreichen.